Andreas MuhsAndreas Muhs Dokumentarfotografie
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1992 Prenzlauer Allee 16 – Dokumentarfotografie: Bildserie und Fotostrecke, Fotos von Andreas Muhs

Prenzlauer Allee 16, Berlin-Prenzlauer Berg, 1992, 34 Fotos, analog

Prenzlauer Allee 16 war ab Mitte 1991 meine erste Adresse in Berlin, ähnlich nah am Fernsehturm gelegen wie meine Einzimmmerwohnung in Hamburg. Für den Ostteil der Stadt existierte zu dieser Zeit praktisch kein freier Wohnungsmarkt. Umso dankbarer war ich für den angeblichen familiären Kontakt, durch den ich an eine Wohnung mit Mietvertrag kam. Die andere Wohnung, die mir dieser seltsame Kontakt zeigte, war noch mit allen persönlichen Gegenständen des Vormieters eingerichtet. Sogar ein Regal mit eingewecktem Obst und Gemüse stand noch im Flur. Nur die ausgebrannte Küche hätte ich renovieren müssen. Deshalb störten mich an meiner neuen Wohnung im Hochparterre weder der Blick aus dem Küchenfenster auf den benachbarten Friedhof noch der Blick durch die Bodendielen in den Kohlenkeller. Die Duschkabine mit der tröpfelnden Brause und der röchelnden Pumpe für das Abwasser stand in der Küche. An die Tapeten an den vier Meter hohen Wänden musste ich mich einfach nur gewöhnen. Mit etwas Geschick konnte ich zwischen den beiden Wohnräumen mit dem Fahrrad fahren, in dem einen lagerte ich nur die Kohlesäcke. An meine Atemwolke am Wintermorgen hatte ich mich schnell gewöhnt. Was passiert, wenn ein paar Tage lang die Kohleöfen ausblieben, hatte ich allerdings unterschätzt. Aufgrund eingefrorener Wasserleitungen musste ich für kurze Zeit in den Westteil der Stadt umziehen. Eines Tages entdeckte ich das angezündete Anschlagbrett im Hausflur. Zurückgeblieben sind Fragmente der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner, die erst in Nahaufnahmen sichtbar werden.

Canon New F-1 + 50 mm Macro