Andreas MuhsAndreas Muhs Dokumentarfotografie
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1989-1993 Alter Potsdamer Platz – Dokumentarfotografie: Bildserie und Fotostrecke, Fotos von Andreas Muhs

Alter Potsdamer Platz, Berlin-Mitte, 1989-1993, 46 Fotos, analog

Am Abend des 9. November 1989 fiel die Mauer. Vom 11. bis zum 12. November war ich in Berlin und ließ mich vom Taumel der Stadt mitreißen. Mit diesen Bildern begann meine bis heute andauernde Faszination für eine Stadt, in der man der deutschen Geschichte so nah sein kann wie nirgendwo sonst. Spätestens hier entschied ich mich für die Dokumentarfotografie. Der Potsdamer Platz ist ein Brennpunkt zwischen den beiden Stadthälften und liegt an der Nahtstelle zwischen zwei Systemblöcken. Am 12. November war ich dabei, als die ersten DDR-Bürger durch die gerade geöffnete Mauer liefen. Dabei erinnerte ich mich an einen früheren Besuch dieses Ortes mit meinem Großvater, noch vor 1976. Er zeigte mir auf einer Aussichtsplattform an der Mauer die Ruine des Hauses Vaterland, das er während des Krieges besucht hatte. Nachdem ich 1991 in Berlin angekommen war, zog mich dieser Ort immer wieder an. Plötzlich entdeckte ich den alten Gehweg am Leipziger Platz, dessen oktogonale Form noch erkennbar war. Der Erdboden, über den man zuvor gedankenlos gelaufen war und der jahrzehntelang auf dem Mauerstreifen gelegen hatte, wurde aufgegraben, um einen Abgang zur S-Bahn freizulegen. In der S-Bahn-Station standen die Kassenschalter, die zu Zeiten des Mauerbaus geschlossen worden waren. Als im Jahr 1995 die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn für das Debis- Areal begann, war ich dabei, als die Fundamente des Pschorr-Hauses freigelegt wurden. Der Zutritt zum Kellergeschoss, in dem sich auch eine Großküche befand, war wieder möglich. Neben Scherben mit Hakenkreuz auf der Rückseite fand ich auch durch Hitze verformte Bierflaschen. Drei Flaschen konnte ich retten; sie stehen bis heute im Wohnraum.

Canon New F-1 / Leica M6